Die beiden Brüder und die Räuber
Es waren einmal zwei Brüder. Einer war verheiratet und hatte sieben Kinder, der andere jedoch keine; einer war reich und der andere arm. Eines Tages ging der Arme weit in den Wald hinein und sammelte Holz. Er hörte es jauchzen und singen und schaute um sich. Er sah dreiunddreissig Männer zu Pferd, die verschwanden alle in einem Felsen und kamen eine Weile später wieder heraus. Da ging er hin und sagte zum Felsen: «Felsen, öffne dich.» Drinnen nahm er eine kleine Blache voll Geld und ging nach Hause. Daheim schickte er die Kinder zu Bett und zeigte das Geld der Frau. Doch die konnte es nicht zählen. Sie ging zu ihrer reichen Schwägerin und lieh sich die Quartane aus. Als sie das Gefäss zurückgab, war eine Goldmünze darin liegen geblieben. Die Schwägerin fragte, ob sie Goldmünzen zu messen hatte. Da erzählte die dumme Frau ihr alles. Eines Tages wollte der reiche Bruder auch beim Felsen Goldmünzen holen gehen. Doch die Räuber ergriffen ihn und zerschnetzelten ihn so, dass die Hühner ihn auffressen konnten.
(Oberhalbstein)
Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.