Die beiden Brüder
Zwei Brüder, ein gescheiter und ein dummer, gingen die Geissen hüten. Der Dumme kochte einen grossen Teller voll Spätzli zum Mittagessen. Auf dem Weg musste er über die Brücke, worüber auch die Geissen liefen. Die Brücke hatte Löcher, da gerieten die Geissen mit den Füssen hinein. «Dem wollen wir schon ein Ende machen», dachte er und verstopfte kurzerhand die Löcher mit den Spätzli. Als er ohne Mittagessen zum Bruder kam, war der wütend und schrie: «Dich kann ich nicht mehr unser Mittagessen kochen lassen, morgen mach ich das». Am nächsten Tg kochte der ein ganz feines Mus. Als er auf die Weide kam, fand er den Bruder ganz allein. «Wo hast du denn die Geissen?» - «Dort sind sie», antwortete der Bruder und zeigte auf einen Sumpf. Der andere schaute hin und sah nur noch die Schwänze der Geissen, der Rest war schon weg. Da schmiss er in der Wut das Mus ins Moor und schrie: «Hol doch der Teufel grad alles!»
(Schams)
Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.