Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Männlein auf dem Gatter

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Ein Mann musste wöchentlich nach Neuendorf gehen, um das Gewobene abzugeben. Er kam dabei an einem Weggatter vorbei; da sass dann stets ein grünes Männchen auf dem obersten Sparren und foppte ihn. Als dies dem Manne zu bunt wurde, klagte er es dem Pfarrherrn. Dieser fragte: «Hast du eine Ahnung, wer das grüne Männchen sein könnte? Und hättest du ihn Zeit seines Lebens im Handgemenge geputzt?» Der Mann antwortete, er denke es. «Traust du dir zu, ihn auch tot, wie er jetzt ist, zu überwältigen?» fragte der Pfarrer. Der Mann sprach: «Habe ich ihn lebend geputzt, so werde ich ihn auch tot umwerfen, wen As sein muss.» Da gab ihm der Pfarrer den Rat, bei der nächsten Gelegenheit dem grünen Männchen mit einem Knüttel auf den Leib zu rük- ken. Das tat der Mann, hieb mit einem buchenen Scheit auf das Männchen ein, das erbärmlich schreiend sich entfernte und sich niemals mehr zeigte.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch