Das Erdmännchen im Härdli
Im Härdli, wo heute die Fabriken stehen, wurde in früheren Jahren Getreide gepflanzt. Zwischen den Roggenhalmen wuchsen aber auch Rüben. War der Roggen reif, wurde er geschnitten. Diese Arbeit verrichteten meist Frauen und Mädchen. Die Stoppeln wurden von Hand ausgerissen und die Rüben erdünnert. Einmal blieb ein Mädchen am Abend nach getaner Arbeit auf dem Härdliacker zurück. Es dunkelte schon, als es neben sich ein Geräusch vernahm. Plötzlich stand ein Erdmännchen neben ihm. Das Mädchen fragte das Männchen, wer es sei und was es hier suche. Das Erdmännchen antwortete, es suche Nahrung für sich und seine Artgenossen. Es bat die Jungfrau, nicht alle Ähren aufzulesen, sonst müssten sie verhungern; es bat auch, im Herbst einige Rüben im Boden stecken zu lassen. Das Mädchen versprach, sein möglichstes zu tun. Als man aber die Rüben im Herbst holen musste, hatte es sein Versprechen vergessen, und keine einzige Rübe blieb liegen oder im Boden stecken. Von da blieb der Acker unfruchtbar, und statt der Frucht gediehen nur Steine darauf.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch