Das Steinkreuz im Churzäggerli
An dem Weg, der von Bärschwil zum Hof Churzäggerli führt, steht ein Steinkreuz mit der Jahrzahl 1759 und der Inschrift «Jesus Maria Joseph». Auf der Rückseite sind noch sechs stark verwitterte Buchstaben zu erkennen, die das Wort «Rabies» ergeben.
Es wurde einmal ein Mann von einem wütigen Hund gebissen und bekam die Tollwut selber. Um vor ihm sicher zu sein, wussten sich die Dorfbewohner keinen andern Rat, als ihn zu erschiessen und am Ort seines Todes ein Kreuz zu errichten.
Im Sommer 1938, gerade als es im Huggerwald brannte, nahmen die Söhne vom benachbarten Hof das Kreuz vom Sockel, um es zu reinigen. Sie legten es auf den Boden und liessen es über Nacht da liegen. In jener Nacht brüllte eine Kuh unaufhörlich im Stall, so dass kein Mensch schlafen konnte. Man schaute nach, aber die Kuh glotzte ständig seitwärts auf den Boden und liess sich von niemandem beruhigen. Als man endlich den Stall wieder verliess, sah man vom Sockel, wo bisher das Kreuz gestanden war, ein schwarzes Hündchen wegspringen. Alle waren sich einig, dass das Kreuz gleich anderntags gereinigt und wieder aufgerichtet werden müsse. Sobald es wieder stand, kehrte auch im Stall Ruhe ein.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch