Der Riedbergjäger und der Sunndigsjäger
Die Leute, die den Riedbergjäger mit eigenen Augen gesehen haben, ruhen wohl alle auf dem Friedhof von Oberkirch. Aber es leben immer noch Männer und Frauen, die in ihren jungen Jahren erschrocken sind, wenn vom wilden Jäger die Rede war. Der Riedbergjäger kam vom alten Schlosse Ramstein her durch den Riedberg. Er zog mit seinen Hunden über die Portifluh hinaus gegen die Ruine Gilgenberg. Dann raste er in die Höhe, hinauf zum Meltingerberg. Bald verlor sich dann der Lärm in der Gegend des Möschbachs, wo es hinab ins Tal der Lüssel geht.
Ganz deutlich wollen die Leute sein unheimliches Huutätä vernommen haben. Immer waren es die drei gleichen Silben, die vom Berg ins Dorf hinabtönten und am Schybeflüehli widerhallten.
Man hat aber in Nünningen nicht bloss vom Riedbergjäger gesprochen. Es gab Leute, die behaupteten, den Sunndigsjäger gehört zu haben. Sie dachten an einen Mann, der zu Lebzeiten den Sonntag entheiligt hatte, in den Wäldern dem Wild nachgestrichen sei. Riedbergjäger und Sunndigsjäger, beide verursachten den gleichen Lärm. Es brauchte ein feines Ohr, um zu unterscheiden, welcher von beiden unterwegs war, wenn man wieder einmal das Huutätä vom Berg her vernahm.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch