Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das graue Männlein

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Im Emmental liegt der Ort Langnau. Dort steht auf dem Dorfplatz ein altes Haus. Darin wohnt eine sehr alte Frau. Die erzählte mir, dass alle hundert Jahre ein graues Männlein erscheine. Das letzte Mal seien ihm zwei Männer und eine Frau begegnet; das Männlein gab jedem eine Schaufel und einen Pickel. Dann führte es sie auf den Platz vor der Kirche und forderte sie auf, zu graben. Dort sagte es zu ihnen, sie sollten jetzt graben, aber kein Wort dabei sprechen. Sie würden hier einen Kessel Gold finden. Das Männlein ging von dannen. Es verging eine volle Stunde und es kam nicht zurück. Als es um zwölf Uhr wieder kam, dachte die Frau nicht mehr an das, was das Männlein gesagt hatte, und flüsterte den beiden Männern zu: «Jetzt ist es wieder

da.» Im selben Augenblick verschwand das Männlein, und sie hatten keinen Pickel und keine Schaufel mehr. Aber das Loch, das sie gegraben hatten, war noch zusehen. Die Frau fand man am Morgen tot im Bette.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch