Würzbrunnen
Als noch Wolf und Bär im waldreichen Emmental hausten und Menschen und Vieh unsicher machten, stand auf der Anhöhe von Würzbrunnen eine Stadt.
Einst führten ihre Bewohner einen Krieg. Dabei gelang es dem Feind, die Stadt in Brand zu stecken. «Bis uf d Würzen abebrunne» sei die Stadt, behaupten noch heute alte Leute der Gegend.
Unter den Trümmern, die unter Wald und Weide verborgen liegen, sollen Schätze begraben sein, nach denen oft gegraben wird.
Wie durch ein Wunder blieb aber das Kirchlein vom Feuer verschont. Darum genoss es lange Zeit hohes Ansehen und wurde für die Bewohner des Emmentals zu einem Wallfahrtsort.
Viele hundert Jahre nach der Zerstörung der Stadt beschlossen die Bewohner des Tales, das Kirchlein zu Würzbrunnen abzubrechen und es unten in Röthenbach neu aufzubauen. Was aber die Handwerksleute tagsüber unter grossen Anstrengungen ins Tal geschafft hatten, das trugen während der Nacht unsichtbare Hände wieder an den alten Ort. Und so geschah es, dass das Kirchlein zu Würzbrunnen erhalten geblieben ist.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch