Der Alderitonnerschüejer
Der alte Schlosser und der Bodner gingen einmal beim Wirtner oben jagen. Eines Abends, als es schon finster war, waren sie noch am Haber oben gewesen. Da hörten sie von der
Chrummefadeflue ein wüstes und unheimliches Geschrei.
«Ist das ein Uhu?» hat der Bodner den Schlosser gefragt. « Nei das ist nicht der Uhu, das ist der Alderitonnerschüejer. Schnell, wir müssen jetzt in eine Hütte!»
Da sind die beiden gelaufen, was ihre Beine hergaben und sie vermochten gerade noch die Hüttentüre aufzutun und hinter sich zu verschliessen. Der Schlosser holt rasch sein Sackmesser hervor und steckt es schräg in die Türe, dann verlangt er das Sackmesser vom Bodner und steckt es übers Kreuz in den Balken.
Kaum steckte das Messer, ging draussen ein Lärmen, ein Poltern, ein Läuten, ein Kesseln und Tosen an und es tönte, als schlage man eine nasse Kuhhaut gegen die Hüttenwand. Die beiden Jäger fanden keinen Schlaf. Als sie am Morgen die Hüttentür öffneten, lag draussen ihr Hund, den sie in der Eile vergessen hatten, tot im Gras. Da wussten sie, wie es ihnen ergangen wäre, wenn sie sich nicht im letzten Augenblick in der Hütte eingechlossen hätten.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch