Blümlisalp
Weitaus die schönste Alp im Berner Oberland war einst die Blümlisalp hinten im Kiental. Man erzählt von ihr, dass der Senn, dem sie gehörte, hundert Kühe darauf sömmern und jede Kuh dreimal am Tag melken konnte. Doch war er ebenso hartherzigund übermütig, wie er reich war. Seine Hütte fand er mit einem Male zu elend. Er liess sie niederreissen und baute eine neue. Treppe und Weg zur Hütte liess er mit Käslaiben belegen und goldgelbe Butter musste das Pflaster dazu hergeben. Gewaschen wurde diese Treppe täglich mit süsser Ankenmilch. Darüber ging er mit seinen Hunden.
Im Tal unten hatte der Senn noch eine alte Mutter. Diese stieg einst zur Alp hinauf, um ihren Sohn zu besuchen. Da grosse Hitze herrschte, war die Frau fast verschmachtet, als sie oben ankam. Sie bat ihren Sohn um einen Schluck Milch. Da reichte ihr der Ungeratene sauer gewordene Milch, in die er zuvor Sand streute.
Der Frevel blieb nicht ungesühnt. Auf dem Heimweg kehrte sich die alte Frau gegen die Alp und verfluchte sie. Sogleich erstarrte diese in Schnee und Eis.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch