Wie der Rätzliberg ein Gletscher wurde
Einst war der obere Rätzliberg, aus dessen sieben Quellen das Landwasser entspringt, eine fruchtbare Alp. Eine reiche, aber geizige Frau aus dem Tal hatte diesen Berg gekauft. Alle Jahre brachte der Hirt, welcher droben das Vieh sömmerte, der Frau den Zins, frischen Ziger und goldgelbe Butter. Allein, nie war die Frau damit zufrieden.
Einst verwüstete ein Unwetter die Alp am Rätzliberg und der Hirt vermochte der Frau nur weniges zu bringen. Die Frau fluchte aber über den geringen Zins, verfluchte die Alp, die ihr nicht mehr einzubringen imstande sei. Von diesem Tage an rückte das Eis vom wilden Strubel auf die Alp zu und es dauerte nicht lange, bis diese unter dem Eis begraben war.
Als der Hirt im nächsten Sommer zur Alp auf stieg, fand er nichts mehr als einen einzigen grossen Gletscher.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch