Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Böse Frauen

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Region: Stadt Bern
Kategorie: Sage

Böse Frauen, die ihren Mitmenschen ständig zuleide lebten, finden erst lange Zeit nach ihrem Tode Ruhe. Nicht selten kehren sie als schwarze Katzen wieder und setzen sich auf die Schwelle einer Türe nieder. Eine Frau versuchte einst, eine solche Katze zu vertreiben. Sie holte zu einem mächtigen Schlage aus; die Katze aber blieb auf der Schwelle sitzen. Noch einmal schlug sie auf das Tier los - es blieb wie festgebannt. Die Frau aber verspürte plötzlich einen Schmerz im Arm, und von der Stunde an konnte sie ihn nicht mehr rühren.

In einem andern Hause der innern Stadt hört man die ehemalige Hausherrin immer und immer wieder kommen. Wohl wissend, dass die Gespenster sich in den Bannkreis des Lichtes nicht getrauen, lassen die Bewohner zu diesen Zeiten das Licht die ganze Nacht brennen. Aber im Dunkeln treibt die Frau desto grösseren Spuk. Bald schnurrt und surrt sie wie ein mächtiges Rad, bald brüllt sie wie ein grauenhaftes Tier. Dem Kätzchen, das auf Schleichpfaden geht, stellt sie sich entgegen. Dann heult’s und zetert’s durch die Nacht; in seinem Jammer findet das Tierchen Töne, die noch niemand von ihm gehört - und am Morgen ist es blind, an allen Gliedern geschlagen.

Aus: Hedwig Correvon, Gespenstergeschichten aus Bern, Langnau 1919

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch