Vom Wolf und dem Esel
Es lebte einmal ein Wolf, der war sehr alt und immer hungrig. Einmal sah er einen Esel, der am Waldrand Gras frass. Der Wolf freute sich, ging näher und rief: „Du kommst mir gerade recht, ich werde dich jetzt fressen!“
Der Esel ging einige Schritte zurück und sagte: „Lieber Wolf, siehst du nicht, wie mager ich bin? Du wirst nicht satt, wenn du mich frisst.“
„Ich fresse dich trotzdem!“, rief der Wolf und sein Magen knurrte vor Hunger.
„Du solltest lieber fette Schafe fressen“, sagte der Esel.
„Ja, aber wie komme ich an Schafe?“, fragte der Wolf.
„Wenn du mich am Leben lässt, so führe ich dich zu einer grossen Schafherde, dort kannst du deinen Hunger stillen. Steig nur auf meinen Rücken.“
Das liess sich der Wolf nicht zweimal sagen. Er kletterte auf den Rücken des Esel und liess sich wie ein Reiter tragen. Der Esel galoppierte Richtung Dorf und der Wolf bestaunte die Landschaft und fühlte sich wie ein feiner Herr.
Sie kamen dem Dorf immer näher und der Wolf fragte: „Wo ist denn die grosse Schafherde?“
„Wir sind bald da“, antwortete der Esel. Mit dem Wolf auf dem Rücken rannte er ins Dorf hinein und rief laut: „Iah, Iah! Der Wolf ist da!“
Kaum hörten die Leute das Geschrei, kamen sie mit Stöcken aus den Häusern, um den Wolf zu töten.
Dieser erschrak, sprang vom Esel herunter und rannte um sein Leben.
Mit Glück erreichte er den schützenden Wald und dachte: Mein Grossvater war ein einfacher Wolf, mein Vater auch. Keiner von ihnen wollte eine ganze Schafherde fressen und auf einem Esel reiten. Von nun an, werde ich Esel meiden und wieder im Wald Mäuse jagen. So machte er es auch, und wenn er den Esel am Waldrand Gras fressen sah, so schlich er schnell und leise davon.
Fassung Djamila Jaenike © Mutabor, nach: H. Weisovà-Tomamovà, Tiermärchen, Hanau 1999
Albanien ist ein kleines Land (rund anderthalbmal kleiner als die Schweiz) und gehört zum Balkan. Es liegt im Südosten Europas gegenüber von Italien, an der Adria und dem Ionischen Meer. Es ist eines der ärmsten Länder Europas. Die Infrastruktur des Landes ist schwach, die Arbeitslosenquote hoch, die Löhne tief, die Perspektiven für junge Menschen und Familien trist. Die Auswanderung begann mit dem Zusammenbruch des Kommunismus Anfang der 1990er Jahre. Davor war das Land jahrzehntelang diktatorisch regiert und von der Aussenwelt isoliert. Das heutige, demokratische Albanien hat eine der höchsten Auswanderungsquoten der Welt. In den vergangenen 30 Jahren haben etwa eine Million Menschen das Land verlassen.