Das Perlhuhn und die Schlange
Das Perlhuhn das hatte viele Eier gelegt und war dabei sie auszubrüten. Mit der Zeit bekam es Hunger, aber wer sollte auf die Eier aufpassen, wenn es auf Futtersuche ging?
Da kam eine Schlange vorbei und sagte: «Was schaust du so traurig Perlhuhn?»
«Ach, mich plagt der Hunger. Aber ich habe niemanden, der auf meine Eier aufpasst.»
«Wenn es nur das ist – ich werde deine Eier hüten, bis du wieder zurückkommst.»
So überliess das Perlhuhn das Nest der Schlange und ging auf Futtersuche. Als es zurückkehrte, sagte die Schlange: «Ich bleibe jetzt hier, von nun an gehören die Eier mir. Pass bloss auf, dass du nicht zu nahekommst, sonst fresse ich dich.»
Verzweifelt ging das Perlhuhn davon. Da traf es Schwester Antilope: «Warum schaust du so traurig, Perlhuhn?», fragte sie.
«Ach, die Schlange sitzt auf meinen Eiern und will nicht mehr fort. Kannst du mir helfen, sie zu verjagen?»
Schwester Antilope ging mit dem Perlhuhn mit, doch als die Schlange die beiden sah, zischelte sie: «Passt bloss auf, dass ihr nicht zu nahe kommt, sonst fresse ich euch!»
Als die Antilope das hörte, rannte sie davon, so schnell sie konnte. Verzweifelt ging das Perlhuhn davon und traf Bruder Hase, der fragte: «Warum schaust du so traurig, Perlhuhn?»
Das Perlhuhn erzählte von der Schlange und die beiden gingen gemeinsam zum Nest zurück. Als aber der Hase hörte, was die Schlange zischelte, da rannte auch er davon.
Traurig setzte sich das Perlhuhn in den Sand und weinte. Da kam eine Ameise vorbei und fragte: «Warum bist du so traurig, Perlhuhn?»
Das Perlhuhn erzählte alles und sagte: «Schwester Antilope konnte nicht helfen, Bruder Hase auch nicht, wie willst du mir helfen, wo du doch so klein bist.»
Die Ameise aber holte alle Ameisen aus ihrem Bau zusammen. Sie marschierten zum Nest, und als die Schlange die vielen Ameisen sah, kroch sie schnell davon und kam nie wieder.
Und das Perlhuhn? Das setzte sich glücklich auf sein Nest und brütete, bis an einem schönen Tag viele kleine Perlhühner schlüpften.
Fassung Djamila Jaenike, nach: La pintade e le serpent, in: Receuil de contes et de comptines pour les structures de developpelement integre de la petite enfance. République du Sénegal, in Zusammenarbeit mit Unicef und KOICA, © Mutabor
Senegal
Das westafrikanische Land Senegal grenzt an den Atlantik sowie an die Ausläufer der Sahara und die Sahelzone. Auch wenn das Land derzeit politisch stabil ist, sehen die jungen Menschen keine wirtschaftliche Zukunft. Die Haupteinnahmequellen der Bevölkerung, Fischfang und Ackerbau, sind unter anderem durch ausländische Öl- und Gasplattformen bedroht. Allein im Jahr 2023 sind mehr als 10'500 Menschen aus dem Senegal geflohen, Tendenz ist steigend. Um nach Europa zu gelangen, nehmen die Menschen die gefährliche und teure Überfahrt mit Schmugglerbooten über den Atlantik in Kauf, bei der jedes Jahr Hunderte von Menschen sterben.