Die Hexe von Ecublens
Mya Vuarney war die Witwe von Jacques Blanchet aus Ecublens. Sie wohnte in der Nähe von Promasens, und wurde durch die Geständnisse berühmt, die Jost Ammann, Vogt zu Rue, ihr abrang, als er im Frühling 1634 die Ermittlungen als Hexe gegen sie aufnahm. Die hohen Herren von Freiburg erzählten es so:
Mya Vuarney hatte mehrmals am Sabbat teilgenommen und kannte viele Versammlungsorte der Hexen, zum Beispiel Montet oder Cercet, in der Nähe der Broyé-Brücke oder zwischen Granges und Villeneuve. Dort begegnete sie einem grossen, ganz in Schwarz gekleideten Mann, der sie in seine höllischen Fänge nahm und dem sie blinden Gehorsam schwören musste. Er verlangte Lämmer, die sie ihm in die Stadt bringen sollte. Dort, an der Stadtmauer, legte sie die Lämmer unter eine Tanne. Diese aber war nichts anderes als der Diener des Bösen, der sich in einen Baum verwandelt hatte, damit ihn niemand erkannte.
Bei einem der Treffen im Wald schenkte der Böse Mya einen Beutel mit Geld. Doch als sie ihn öffnete, waren nur zwei Groschen und dürre Blätter darin.
Der Dämon verlangte von ihr, dass sie eine Ziege tötete und eine Katze in Villard-Bramard. Auch ein Kind in Estavayer soll mit Hilfe von einem weissen Pulver, das sie in der Nähe von Granges geholt hatte, zu Tode gekommen sein
Bei den Versammlungen packte der Teufel sie am Hals und wirbelte sie durch die Luft, so dass die Würgemale an ihrem Hals noch sichtbar waren. Dann tanzte er mit ihr und alle anderen Hexen und Zauberer sprangen um das Feuer, das von Teufelinnen geschürt wurde. Tiere wurden gebraten, man trank Apfelwein und Likör. Der Teufel forderte Mya auf, ihre Kinder zu opfern, aber sie weigerte sich. Stattdessen machte sie Sturm, Regen, Hagel und Frost und verdarb die Ernte. Dazu nahm sie eine kleine weisse Rute, schlug damit auf das Wasser eines Brunnens. Sie konnte sich auch in einen Wolf verwandeln und tötete in dieser Gestalt Schafe, Kühe, Ziegen und Pferde.
Dreimal wurde die arme Witwe der Folter unterzogen, damit die Mächtigen von Freiburg all dies, was oben erzählt wird, zu hören bekamen. Vergeblich bat Mya Vuarney Gott um Beistand. Schon wenige Wochen später wurde der Scheiterhaufen angezündet und die Witwe den Flammen übergeben. Man schrieb das Jahr 1634 und dreissig Freiburger Bürgerinnen und Bürger verloren auf dieselbe Art ihr Leben.
Neu erzählt von Djamila Jaenike, nach: «La sorciere d'Ecublens» Quelle: J. Genoud, Légendes Fribourgeoises, Fribourg 1892. Eingelesen und aus dem Französischen übersetzt von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch