Mutabor Märchenstiftung

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Geschichten rund um das Schloss Greyerz

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Region: Greyerz
Kategorie: Sage

Chalamala, der Hofnarr des Grafen Peter IV. von Greyerz, kannte viele Geschichten aus alten Zeiten. An langen Winterabenden, wenn sich die Familie des Grafen im prächtigen Saal um den Kamin versammelte, wo man einen ganzen Ochsen über dem Feuer braten konnte, erzählte er manch wunderbare Geschichte. Zum Beispiel jene aus der Zeit der Kreuzzüge, als hundert Ritter von Greyerz in das Heilige Land zogen, um für den Glauben zu kämpfen. Sie sangen Heldenlieder unter dem Banner des Kranichs und wollten die Tränen der Mädchen und Frauen nicht sehen, die allein zurückblieben. Viele Männer fielen im Heiligen Land und nur wenige kehrten wieder heim.

Währenddessen aber kämpften die Grafen von Greyerz mit den Bauern und Hirten allein gegen die Berner und Freiburger, die immer weiter vorrückten. Die Burg von La Tour-de-Trême war bereits in Flammen aufgegangen, und als es Abend wurde, war der Kampf schon fast verloren.

Doch auf einmal erschienen seltsame Krieger in der Dämmerung. Auf ihren Köpfen trugen sie flammende Hörner und ein Lärm von hundert Glocken erklang durch die Nacht.

Die gegnerischen Soldaten riefen: «Rette sich, wer kann, der Leibhaftige kommt mit seinem Heer, um uns zu vernichten!», sie rannten schreiend um ihr Leben und die unterlegenen Greyerzer gewannen die Schlacht. Doch welches Heer war ihnen da zu Hilfe gekommen?

Am nächsten Morgen fanden sich alle zusammen und ein Lachen erklang über den Hügeln, als die Männer erfuhren, wer ihnen geholfen hatte. Die Frauen und Mädchen hatten in der Not die Ziegen zusammengetrieben, ihnen schwere Glocken umgehängt und ihnen Kerzen und Fackeln an die Hörner gebunden. Die Ziegen stürzten im Dunkel der Nacht auf die Angreifer zu, so dass diese das Weite suchten. «Ein Hoch auf die Frauen von Greyerz!», riefen da alle, und bis heute erzählt man sich die Geschichte der mutigen Frauen.

Chalamala wusste aber auch eine Geschichte über mutige Männer zu erzählen, die wohl etwa in der gleichen Zeit spielt. Clarimbold und Ulrich aus der Familie der Thorin von Villars-sous-Mont halfen Graf Peter IV., als dieser bereits meinte, seine Totenglocke bald läuten zu hören. Die gegen ihn verbündeten Freiburger und Berner hatten schon die Burgen von Vuippens und Corbières eingenommen, die Burg von Everdes war in Schutt und Asche gelegt worden, und der Turm seiner eigenen Burg war bereits angegriffen worden. Doch die zwei Helden versteckten sich im Wald nahe der Burg bei der Lichtung Pré-du-Chêne und warteten auf den Feind. Als diese zum Angriff bliesen, hielten die tapferen Ritter die Soldaten mit ihren Schwertern so lang auf, dass die Männer auf der Burg Zeit hatten, sich zu versammeln und die Schlacht siegreich zu schlagen. Als die beiden Kämpfer am Abend zur Burg zurückkehrten, wurden sie von den Zinnen des Bergfrieds mit Trompeten begrüsst, und unter Jubel in die grosse Halle geführt. Aber die beiden Helden hielten ihre Waffen so fest umklammert, dass man sie ihnen gewaltsam aus den Händen lösen musste. Der Säbel von Clarimbold wurde zur Erinnerung an den Sieg bis ins letzte Jahrhundert in der Gemeinde aufbewahrt. Aber dann ging diese Geschichte in Vergessenheit und einer, der nichts vom Wert dieser Waffe wusste, soll aus dem wertvollen Säbel eine profane Säge gemacht haben.

Viele weitere Geschichten hat Chalamala erzählt, bis er 1349 sein Testament gemacht und bald darauf gestorben ist. Nur seine Geschichten bleiben, wenn sie erzählt werden, für immer lebendig.

Neu erzählt von Djamila Jaenike, nach: «Autour du château de Gruyeres», aus: J. Genoud, Légendes Fribourgeoises, Fribourg 1892. Eingelesen und aus dem Französischen übersetzt von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch