Mutabor Märchenstiftung

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Pekale und der Gutsherr

Land: Moldau
Kategorie: Schwank

Pekale war ein Schelm und im ganzen Land für seine Streiche bekannt. Auch ein reicher Gutsherr hörte davon und sagte: „Ich will den Schelm suchen, er soll mir seine Streiche zeigen!“

Er bestieg seine Kutsche, und fuhr los.

Pekale sass währenddessen am Waldrand. Ihm war langweilig. Als er die Kutsche des Gutsherrn sah, dachte er: „Der kommt mir gerade recht, dem werde ich einen Streich spielen.“

Er nahm einen Stock und setzte sich damit mitten auf den Weg.

Der reiche Gutsherr hielt die Kutsche an und fragte: „Was machst du da?“

„Ich bin Pekale und halte den Stock, damit er sich ausruhen kann?“, sagte der Schelm.

„Du bist Pekale? Dich habe ich gesucht. Kannst du mir einen deiner Streiche zeigen?“

„Das ist schwierig, Herr“, sagte Pekale. „Ich habe meine Streiche zu Hause gelassen. Aber wenn Ihr mir Eure Kutsche gebt, kann ich sie holen.“

„Gut“, sagte der reiche Gutsherr und stieg aus.

„Aber wer passt auf meinen Stock auf?“, fragte Pekale.

„Das mache ich“, sagte der reiche Mann, setzte sich auf die Strasse und hielt den Stock fest , während Pekale mit der Kutsche davonfuhr.

Der Gutsherr wartete und wartete, aber Pekale kehrte nicht zurück.

Gegen Abend kam ein Mann vorbei und fragte: „Herr, was macht ihr hier mitten auf dem Weg?“

„Ich helfe dem Stock beim Ausruhen und warte auf Pekale. Er ist mit meiner Kutsche nach Hause gefahren, um seine Streiche zu holen.“

Der Mann lachte und sagte: „Da könnt ihr noch lange warten. Pekale hat euch einen rechten Streich gespielt, eure Kutsche seht ihr nicht mehr wieder.“

Da endlich verstand der Gutsherr, dass Pekale ihm einen Streich gespielt hatte, stand auf und lief, auf den Stock gestützt, nach Hause. Er sagte niemandem ein Wort von dem, was ihm geschehen war. Aber jemand muss es doch erzählt haben, vielleicht Pekale selbst, denn am Ende wussten alle davon und auch wir kennen jetzt die Geschichte.

Fassung Djamila Jaenike, nach: V. Gazak, Das Buch aus reinem Silber, Düsseldorf 1984 © Mutabor Märchenstiftung

Die Republik Moldau ist ein Binnenstaat in Südosteuropa, der im Norden, Osten und Süden von der Ukraine umschlossen ist. Er erklärte sich 1991 im Zuge der Auflösung der Sowjetrepublik als unabhängig und gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Der eingefrorene Transnistrien-Konflikt an der Ostgrenze des Landes seit 1992 und der Ukraine-Krieg führen zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation vieler Menschen, insbesondere von Randgruppen wie der Roma. Ein Drittel der Bevölkerung ist aus der Heimat geflohen und sucht, oft vergebens, in anderen Ländern Asyl.

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