Mutabor Märchenstiftung

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Wie die Vögel ihren König wählten

Land: Moldau
Kategorie: Fabel/Tiermärchen

Vor langer Zeit versammelten sich alle Vögel, um einen König zu wählen. Aber wer von ihnen sollte König werden? Alle zwitscherten alle aufgeregt durcheinander, bis einer rief: „Der wird König, der am höchsten fliegt!“

Die anderen Vögel waren einverstanden und flogen alle gemeinsam in den Himmel.

Unter den Vögeln war auch einer, der war ganz klein. Er hatte nur kurze Flügel und unscheinbare braune Federn, aber auch er wollte gerne König werden. Schnell flog er hinter den anderen Vögeln her. Er flatterte mit seinen Flügelchen, bis er den Adler erreichte und machte es sich auf dessen Flügeln bequem. Der Adler merkte nichts davon. Er flog höher und höher.

„Seht nur, wie hoch der Adler fliegt!“, riefen die anderen Vögel.

Aber in diesem Augenblick erhob sich der kleine Vogel, so dass alle ihn sehen konnten. „Ich fliege am höchsten!“, rief er.

Die Vögel staunten und versammelten sich schliesslich wieder am Boden.

„Wie kann einer, der so klein ist, so hoch fliegen?“, fragten die Vögel.

Da zwitscherte ein Spatz:

Tsimtsimtra, Tsimtsimzwitsch,
ich habe ihn entdeckt
auf des Adlers Flügeln
hat er sich versteckt.
Tsimtsimtra, wir haben ihn erwischt.

„Er ist ein Betrüger“, riefen die anderen und wollten den kleinen Vogel fangen. Dieser floh schnell in einen hohlen Baumstamm.

„Haltet Wache“, rief der Adler, der nun der König der Vögel war.

Ein Vogel nach dem anderen hielt Wache vor dem hohlen Baumstamm. Erst die Schwalbe, dann die Lerche, die Drossel und am Abend die Eule.

Die Eule setzte sich auf einen Ast und wurde bald müde. Sie blinzelte erst mit einem Auge, dann mit dem zweiten und schloss beide Augen.

Darauf hatte der kleine Vogel gewartet. Schnell flog er aus dem hohlen Baum heraus und versteckte sich in einem dornigen Busch in der Hecke.

Am nächsten Morgen sahen die Vögel, dass der kleine Vogel fort war.

„Wer hat ihn entkommen lassen?“, fragten sie.

„Die Eule war es“, rief einer und alle fingen an, mit der armen Eule zu schimpfen. Seitdem traut sich die Eule nicht mehr nachts die Augen zu schliessen, und schläft nur noch am Tag.

Der kleine Vogel aber hüpft bis heute zwischen den dornigen Zweigen umher und ruft: „Kiwitt, Kiwitt, der Zaunkönig bin ich!“.

Fassung Djamila Jaenike, nach: R. Luzík, Tiermärchen, Prag 1981© Mutabor Märchenstiftung

Die Republik Moldau ist ein Binnenstaat in Südosteuropa, der im Norden, Osten und Süden von der Ukraine umschlossen ist. Er erklärte sich 1991 im Zuge der Auflösung der Sowjetrepublik als unabhängig und gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Der eingefrorene Transnistrien-Konflikt an der Ostgrenze des Landes seit 1992 und der Ukraine-Krieg führen zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation vieler Menschen, insbesondere von Randgruppen wie der Roma. Ein Drittel der Bevölkerung ist aus der Heimat geflohen und sucht, oft vergebens, in anderen Ländern Asyl.