Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Fadenknäuel

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Einmal fingen einige Ryffenmatter zwei Erdleutlein, ein Männlein und ein Weiblein, die im Schatten einer Fluh beim Hornbühl miteinander kosten. Als man sie wegtrug, riefen ihre Gespänlein ihnen allenthalben aus Strauch und Staude nach, was auch die Menschen mit ihnen anstellten, nie sollten sie sagen, wozu das Beikörnlein im Haber gut sei und wozu der Reckholder.

Mehrere Tage vergnügte das zierliche Pärchen die Ryffenmatter mit allerlei Kunststücken. Sie tanzten und sprangen so niedlich, dass die Bauern laut in die Hände klatschten vor Verwunderung. Dann aber sagten die Leutlein, man möchte jedwedem eine Fadenchrungel geben und dann ein Fenster öffnen. Sie wollten ihnen zum Schluss noch ein ganz besonderes Stücklein zeigen. Kaum hatte jedes seine Fadenchrungel in der Hand, als sie, das Fadenende fest in den Fingern, gleitig den Zwirn abrollend, den Knäuel flugs zum offenen Fenster hinauswarfen und - hast du nicht gesehen - waren sie wie der Blitz, dem Faden entlang gleitend, hinaus gesaust, auf und fort auf Nimmerwiedersehen.

Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch