Die gefangene Pest
Die Pest im Jahre 1629 brach in Toggenburg zuerst zu Güpfen aus, damals einem einzigen Hause der Gemeinde Henau. Dort erschien nachts ein weisses Fräuli, mit einem weissen Besen emsig die Thürschwelle kehrend, worauf ein weisslicher Rauch aufstieg. Sogleich brach die Seuche aus; ein Glied der Familie nach dem andern starb hin, der Rauch blieb immer sichtbar. Da bohrte der einzig noch übrig gebliebene Sohn ein Loch in die Wand, der Rauch fuhr hinein und die Pest verliess das Haus. In der übrigen Gemeinde aber wüthete sie fort, in jeglichem Hause durch das Fräulein angemeldet und sein Wischen, und erst mit der Seuche verschwand es. Ein Henauer vernahm den Ruf vom Himmel:
"Esset ihr die Pimpernelle,
So sterbet ihr nicht so schnelle."
Man folgte der Mahnung, und wer es that, blieb verschont.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch