Die Alpmuetter
Ein Jäger ging im Spätherbste an einer Hütte der Alpe Drusen im Prätigau vorbei und hörte in derselben ein ganz sonderbares Geräusch und Getümmel, wie wenn es noch Hochsommer und die Sennen vollauf beschäftigt wären. - Die Neugierde lockte den Waidmann, und er ging und guckte durch ein Astloch in die Alphütte hinein; er gewahrte in derselben die leibhaftige Alpmuetter. Sie war ein altes, buckliges Weiblein, das, am Herde stehend, eifrig mit Kochen beschäftigt war. Rings um den Herd und die bucklige Köchin herum tanzte eine Schaar kleiner Tiere, das Eine ein Salzbüchschen, das Andere eine Kochkelle, das Dritte einen Seihwisch, Alle etwelches Küchengeräte in den Vorderpfoten haltend, ausgenommen Eines, das leer tanzte und nichts in den Pfoten trug. Zu diesem kleinen Taugenichtse wandte sich plötzlich das Weibchen und knurrte: »Du Hanschäsperle, choz\' mer Schmalz!« und siehe da, Hanschäsperle erbrach Schmalz in Hülle und Fülle.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.