St. Johann von Savien
Diesen Sinn hat die Legende über St. Johann in Savien. Dieser ist nämlich der alte Schutzheilige der Kirche »am Platze« und hat, trotz der protestantischen Religion der Savier, diese Stelle bis auf den heutigen Tag behauptet.
Nun öffnet sich gleich hinter der Kirche das schauerliche TaI Carnusa, in welchem die Seelen derjenigen Verstorbenen, die nicht in den Himmel eingehen können, ihren Aufenthalt haben. - In stürmischen Nächten hört man sie dort wehklagen und um Erlösung flehen; - dann steigt, wenn der Tag mit seinem ersten Lichte die Kämme der Berge beleuchtet, eine weisse glänzende Wolke über das Dach der Kirche empor, und unschuldige Kinder, welche an Sonntagen, zu bestimmten Stunden, geboren sind - aber nur solche - sehen dann, wie die Wolke, nach verschiedenen wechselnden Formen, zuletzt als himmlische Gestalt des heiligen Johannes in silberschimmerndem Kleide über dem Tale schwebt. Der Heilige beugt über Carnusa sich hinab, schöpft eine Hand voll Wasser aus dem Bache und besprengt damit diejenige Seele, welche der Erlösung am würdigsten ist, die dann mit ihm emporsteigt, wenn die lichte Gestalt in den Strahlen der Morgensonne verschwindet.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.