Das Vergissmeinnicht
Als Gott, der Herr, den Blumen auf dem ganzen Erdenrunde die Namen gegeben hatte, behielten ihn alle sehr wohl im Gedächtnisse; nur ein Blümlein, ein ganz kleines, bescheidenes, von himmelblauer Farbe, hatte seinen Namen vergessen, und konnte ihn auch bei keiner andern Blume mehr erfragen. Endlich musste es, obwohl es sich scheute, wieder zurück zu seinem Schöpfer, um zu fragen, wie es heisse. Und als es kam, hob der Herr den Finger und sagte zum verschämten Blümlein nur drei Worte: „Vergiss mein nicht“. Darauf ist das Blümlein fröhlich wieder weggegangen, nachdem es dem Allgütigen für den schönen Namen gedankt hatte, und trägt noch heute den Namen „Vergissmeinnicht.“
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.