Der Blässegg-Pass
Der Name »Bläss-Ecke« (vom Blasecken-Passe in St. Antonien) soll von folgender Sage abgeleitet sein: Einem St. Antönier entwich im Herbste von der Alpweide seine Stute »Bläss« (so werden Pferde, Rindvieh, Hunde etc. genannt, welche von der Stirne zur Nase weiss gezeichnet sind) samt Fohlen und konnte trotz alles Suchens nicht gefunden werden. - Im darauffolgenden Frühjahre bemerkte ein über den Pass Reisender die Bläss mit dem Jungen in einer geschützten Mulde am Pfade nach Montafun, wohl überwintert, und überbrachte diese freudige Kunde dem Eigentümer der Tiere. Der aber antwortete undankbar und herzlos zugleich: »Nun mag die Bläss auch bis zur Alpfahrt oben bleiben.« - Sie blieb, ging aber, wie auch ihr Fohlen, bis dahin zu Grunde.
Als Warnung vor Undank und Herzlosigkeit trägt der Pass seither den Namen Blässeck.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.