Der Streit auf der Stäzer-Alpe
Auf der Alpe Stäz, die nach Curwalden gehört, weideten fünf Hirten eines Sommers die Herde. Da kamen Nachbarsennen von Obervaz, fingen mit den Curwaldner Hirten Streit an, und erschlugen Alle bis auf den Kuhhirten; dem gelang es, zu entfliehen. Er eilte mit seinem Hirtenhorn auf einen Felsenvorsprung, blies aus Leibeskräften, um den Talbewohnern Kunde von der Untat zu geben. - Seine Braut in Curwalden war gerade am Brunnen beschäftigt und horchte auf die langgezogenen Töne, verstand auch deren Hülferuf. Sie eilte mit einigen Männern auf die Alpe, von wo aus das Blasen noch fortgesetzt wurde, plötzlich aber verstummte. Die Eilenden, oben angekommen, fanden den Hirten tot auf dem Rasen liegen; er hielt sein Horn noch in der Hand, aber das Herz war ihm zersprungen. - Die erbitterten Curwaldner verfolgten die Mörder, erschlugen Alle und nahmen das ihnen geraubte Vieh wieder an sich.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.