Der fahrende Schüler in der Alpe Casana
Bei Serneus steht ein altes zerfallenes Haus, das »Gmür« (Gemäuer) genannt. Da wohnte einst ein Geisshirte, Namens Flury. Zu dem kamen einst Venediger, als er im Los-Tobel die Geissen hütete. Sie gaben ihm eine zinnene Kanne, die soll er an der und der Stelle so in die Erde graben, dass sie mit Quellwasser tropfenweise sich fülle, und einen hölzernen Schlägel, die Erde darüber zu klopfen, damit Niemand das Gefäss sehe. Sei dies geschehen, so solle er den Schlägel an die nächste Tanne aufhängen und ihn nie aus den Augen verlieren; dann werde die Kanne mit Goldsand sich füllen. Sobald sie voll sei, soll er sie leeren, und die Kanne werde so immer wieder sich füllen. Den Sand solle er ihnen nach Venedig schicken, sie würden dafür reichlich ihn belohnen. - Flury tat das Alles; selbst von der Kirche von Serneus aus blickte er nach dem an der Tanne aufgehängten Schlägel, und währendem füllte die Kanne von selbsten sich mit Gold. Er wurde durch die Venediger ein sehr reicher Mann und starb als solcher. - Lange Zeit nachher fand man noch in den Trümmern seines Hauses dreikantige Goldstücke von fremdem Gepräge.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.