Der Pola-Reiter
Nicht weit oberhalb des Städtleins Mayenfeld liegt ein ziemlich grosses Gut, die »Pola» genannt. Dasselbe ist von einer Mauer umschlossen. Zu diesem Gute gehört das an dem Wege nach Rovels stehende schlossähnliche Haus, und nahe dabei ein Stall, der aber, der Sage nach, nicht benutzt werden kann. In dieser »Pola» hält sich ein Geist auf.
Es muss nämlich dort ein Adelicher umgehen, um einer Mordtat willen, die er im Leben verübt hatte. Er erscheint an bestimmten Tagen, auf einem Schimmel, und wird der »Pola-Reiter» genannt. Er macht die Runde durch das Haus, den Stall und das ganze Gehöfte, reitet die Kreuz und die Quere, und macht sich kein Gewissen daraus, den ihm Begegnenden aufzufangen, umher zu jagen oder sonst zu erschrecken. In dem Stalle, in welchem der Reiter seinen Schimmel unterbringt, kann kein Stück Vieh gesund bleiben; auch ist das ganze Revier so verrufen und unheimlich, dass Niemand gerne dort nur vorbei geht.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.