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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Gotte als Hexe

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Die Gotte als Hexe

Eines Abends ging ein Jäger von Peist hinauf oberhalb das Dorf, um den Füchsen zu »passen«. Es war natürlich Winter und sehr kalt, weshalb er beschloss, das Aas vor seinen Stall droben zu legen; von einem Fensterlein im »Gmach« schaute er hinaus und harrte des Wildes.

Endlich kam ein Fuchs geschlichen; der machte sich an die Mahlzeit. Der Jäger legte an, um zu schiessen; der Schuss versagte; er zog wieder auf, das Pulver zündete abermals nicht, und so ging\'s noch mehrere Male nach einander. Endlich kam dem Manne, der von der »schwarzen Kunst« doch Etwas verstand, ein »Pfiff« in den Sinn: er zog das Schrot heraus, schüttete einige »Brodbros'men«, die er in der Tasche hatte, in den Lauf, und das Schrot wieder darauf, zielte nochmals und der Schuss fiel. Er ging hinaus und hob zu seinem Erstaunen - einen Weiberzopf auf, den er voll Unwillen am Morgen mit sich nach Hause nahm.

Als er in's Dorf kam, vernahm er bald, dass seine eigene »Gotte« (Patin) in der vergangenen Nacht den Zopf verloren habe, aber Niemand wisse, auf welche Weise. - Bald darauf starb die Gotte, und nun erzählte der Jäger, wie er zu deren Zopf gelangt sei.

Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.