Wunderbare Lebensrettung
Nahe bei dem Dörfchen Wiesen
»Bodmen« nennt man heut' den Ort,
Wohnt' ein Säumer, fromm und bieder,
Hatte Gott zum treuen Hort. –
Fleissig fuhr er mit sechs Pferden
Nach dem schönen TaI Veltlin;
Pflegt' in Plurs zu übernachten,
Auf der Reise her und hin. –
Wie er dort nun eines Abends
Zur bekannten Herberg' kam,
Fing das Leitpferd an zu traben,
Dass es hoch ihn Wunder nahm.
Weithin war's nicht einzuholen,
Und die Andern rannten nach.
Ihm schien‘s ein bedeutsam' Wunder,
Wusste nicht, wie ihm geschah.
Doch es ist ihm wohl geschehen,
Denn in jener Schreckensnacht
Hatte Plurs sein Grab gefunden
Mit dem Reichtum und der Pracht.
Und er war gerettet worden,
War es also wunderbar;
Sah die grause Grabesstätte
Nachher noch so manches Jahr.
Leugne denn nicht Gottes Wunder!
Oder hat's nicht Gott getan,
Der den Treuen und Gerechten
Wunderbar erretten kann?
Nie vergass er, Gott zu danken,
Der so freundlich ihn bewahrt';
Denn der Wohltat zu vergessen,
Ist nicht frommer Menschen Art.
Auch dem Pferde wollt' er's lohnen,
Trieb es vor, sein Leben lang,
Aber keine Last berührte
Fürder es, auf seinem Gang.
Dort bei Wiesen auf dem »Bodmen«
Zeigt man Dir annoch sein Haus,
Das derweil nun auch zerfallen.
Doch sein Wirt zog längstens aus. –
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.