Der Mord in Cavaglia
Vor alten Zeiten zog einmal eine Zigeunerbande vom Bernina herab, gegen Puschlav. Der Weg führte damals über die Alpe Cavaglia, die wegen ihren zweckmässig eingerichteten Häusern eher ein Berg-Dörflein genannt werden könnte. Etwas südöstlich von dieser Alpe führt der Weg über eine Brücke, welche die steilen Felsränder eines tiefen Schlundes überspannt, in dessen Tiefe die Wasser des Cavagliasco tosen und brausen.
Wie nun jene Zigeuner auf dieser Brücke angekommen waren und in die Strudel und das tosende Gewässer hinabschauten, fuhr ihnen ein teuflischer Gedanke zu Sinn: - Sie führten nämlich, nach Gebrauch, die »Zigeuner-Mutter«, die Älteste ihres Stammes, eine steinalte, gebrechliche, blinde Frau mit sich, und stiessen Dieselbe, um ihrer loszuwerden, von der Brücke in den Schlund hinab, mit den Worten: »Fahr\' wohl, Muetterli.« Die Bande zog fröhlich weiter.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.