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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Totenvolk in Grüsch

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Im Jahre 1841 starb in Grüsch Frau Ott plötzlich, an einem Schlagflusse, und zwar mitten in Vorbereitungen zu einer Reise.

Mehrere Tage vor ihrem Hinschiede hatte die Magd ihres, im gleichen Hause wohnenden Neffen, ihrer Herrschaft offenbart, sie ahne oder befürchte einen nahe bevorstehenden Todesfall im Hause, weil das Totenvolk sich ihr gezeigt habe. Spät in der Nacht nämlich habe sie aus dem, unter dem Fenster ihres Schlafzimmers befindlichen Baumgarten herauf ein dumpfes Murmeln vernommen, erschreckt, sei sie an\'s Fenster gesprungen, und habe dann im Baumgarten eine grosse Menge dunkler Gestalten wahrgenommen, die der Strasse zuwanderten, von der Strasse aus sei der lange Zug auf den nahen Kirchhof gegangen, wo er sich aufstellte; auch habe sie ganz gut vernehmen können, wie in der Erde gegraben worden sei. - Aus Furcht und Grauen darüber sei sie schnell wieder in\'s Bette zurück geeilt; aber sie habe die ganze Nacht nicht mehr schlafen können.

Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.