Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Schatz auf der hohen Rialt

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Zwei Jäger, Schrötenthaler mit Namen, gingen einst auf die hohe Rialt auf die Jagd. Als sie dort an einer der Burg-Ruinen vorbeigingen, bemerkten sie auf einmal im Gemäuer eine offen stehende eiserne Türe, die sie sonst, so oft sie auch an der gleichen Stelle schon vorbeigegangen, gar nie noch bemerkt hatten. Verwundert darüber, traten sie näher, schauten in den Turm, erblickten aber nichts Anderes, als einen Haufen Nussschalen von ungewöhnlicher Grösse. Der Eine trat in den Turrn, nahm einige solcher Schalen zu sich, um sie seinen Kindern zum Spielen zu geben. Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als er zu Hause seine Schalen auskramend, an ihrer Statt lauter schwere Goldstücke von seltsamem Gepräge besass. - Er erzählte seinem Kameraden von der wunderbaren Verwandlung, und nun hatten die Beiden nichts Eiligeres zu tun, als noch einmal auf die hohe Rialt hinaufzusteigen, um auch die andern Nussschalen zu holen; - aber von der eisernen Türe und den Nussschalen war nichts mehr zu sehen.

Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.