Friedli Schocher
»Hirtenknabe, kannst Du was
Mir aus Deines Dorfs Geschichten
Aus der alten Zeit berichten?
Sitze her, und tue das!«
» Ja, o ja, ich weiss Etwas
Von dem Schocher, unserm Alten,
Der hier weiland hausgehalten,
Und getrieben manchen Spass.
Und der hatte eig'ne Weis',
Stieg hinan die Bergeshalde,
Hält im Arm' die Tann' vom Walde,
Und es macht' ihm gar nicht heiss.
Kamen einst von Cur heran
Krieger, um im Dorf zu plündern,
Glaubten, Niemand werd' sie hindern,
Und dann sei es bald getan.
Weil vom Heer des Baldiron,
Waren Meister sie im Fache;
Hatten unter manchem Dache
Handlich aufgeräumet schon.
Gingen neun zu Schocher auch;
Doch Dem wollt' Das nicht behagen,
Hat sie All' im Nu erschlagen,
Und gesagt, >ich lehr' Euch Brauche<.
Dieses kurz so ein Bericht
Aus des Dorfes alten Tagen;
Könnte Euch noch Manches sagen,
Doch anjetzt mir Zeit gebricht.«
»Brav so, Knabe, das ist recht!
Seiner Väter Taten kennen,
Und sie froh dem Wand'rer nennen
Soll das spätere Geschlecht.«
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.