Der Marchenrücker in Putz
Ein Schuhmacher von Putz ging einstens auf dem Fusswege nach Buchen. Es begegnete ihm ein grosser Mann, halb schwarz und halb weiss gekleidet, mit einer Schaufel auf der Achsel. Der fragte ihn, ob er mit ihm gehen wolle. Betroffen fragte der Schuster, wohin und warum? »Nur eine Strecke weit, bis zu dem und dem Grenzsteine,« antwortete der Grosse. - Der Schuster folgte ihm. Als sie nun mit einander beim bestimmten Grenzsteine angekommen waren, und dort stille hielten, bat der Unbekannte, beim Ausgraben dieses Steines ihm zu helfen. - Der Schuster half ihm.
Dann nahm der Unheimliche den Stein auf den Rücken, trug ihn eine Strecke weiter, warf den Stein wieder zu Boden, grub ein Loch, und setzte Denselben dort ein. Als das geschehen war, dankte der Geist dem Schuster. »Jetzt bin ich erlöst, und habe Ruhe, denn ein redlich Menschenkind hat mir geholfen, diesen Grenzstein da wieder einzusetzen, wo ich ihn vor vielen, vielen Jahren ausgegraben habe.«
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.