Der Täli-Giger
In der Tschiertscher-Alpe Farur liegt ein kleines Tal, das Täli genannt. Dort haben schon gar Viele geigen gehört, und zwar so schön, dass Jeder, der das hörte, hin musste, wo die Musik her zu kommen schien, aber immer war der unsichtbare Musikant an einer andern Stelle, als wo man ihn zu treffen glaubte.
Ein alter Küher, der eines Nachts in den »Gruben« unterhalb am Gürgaletsch sich befand, hörte die schönsten Tänze geigen, worauf er unwillkürlich zu tanzen anfing, und so lange tanzen musste, bis er umfiel, vor Müdigkeit; zudem hatte er bei seiner Tanzerei seine Holzschuhe verloren. -
Ein Anderer, der Schreiber Johann Fleisch von Curwalden, hat vor etlichen Jahren dem Franz Sprecher in Tschiertschen erzählt, er sei gerade nie ein Liebhaber vom Tanzen gewesen; aber wie er den Täli-Giger einmal gehört, habe er tanzen müssen, er habe wollen oder nicht, und das eine ganze Stunde lang, dann sei die Musik plötzlich verstummt, und er sei so »sturm« (betäubt) und müde gewesen, dass er viele Tage kaum stehen und gehen konnte.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.