Das Gespenst am Davoser-Landwasser
Ein alter Mann ritt eines Nachts durch die »Züge« zwischen Wiesen und der Schmelze »Hoffnungsau.« Plötzlich wollte das Pferd nicht weiter gehen. Reitpeitsche und Sporen halfen nichts, das Pferd blieb einfach »bock-still« und »weiggte« (bewegte) sich nicht. Es blieb ihm nichts Anderes übrig, als abzusteigen, und da erblickte er neben dem Pferde einen riesigen Mann stehen, in brandschwarzer Kleidung; unter dem dreikantigen Hute (Dreimaster) grinste ein Totenkopf mit feurigen Augenhöhlen hervor; und kaum war der Reiter abgestiegen, so verschwand der Schwarze. Der Mann stieg wieder auf und ritt weiter. Balde bäumte das Pferd abermals. Das Gespenst stand wieder neben dem Pferde. - Er stieg ab und auf, und wieder ging's vorwärts. Eine kleine Strecke weiter begegnet das ihm zum dritten Male. Diessmal stiess er mit der Hand das Gespenst fort. Der grosse Schwarze verschwand, aber der Reiter wurde von heftigem Fieberschauer geschüttelt, denn das Gespenst war eiskalt.
Im Weitern unangefochten, kam er heim, allein am Tage darauf wurde das Pferd krank, und er selber lag geraume Zeit am Nervenfieber darnieder.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.