Der Pökler am Bergüner Steine
Der Landammann Chr. Pallet war, als er noch als Fuhrmann diente, einmal ungefähr um Mitternacht mit seiner Fuhre am Fusse des Bergüner-Steines angelangt, und befand sich in der Ebene, nicht weit der Brücke, die über die Albula führt.
Da flogen plötzlich beide Räder auf der einen Seite des Wagens ab. Mit grosser Mühe machte er sie wieder fest, und wollte weiter fahren. Kaum war der Wagen wieder in Bewegung, fielen die Räder auf der andern Seite ab. Hierüber ungeduldig, begann er, nach Fuhrmannsbrauch zu fluchen, machte aber die Räder wieder an. - Wie er das Pferd abermals antrieb, fielen wieder die zwei erstern Räder los. Er befestigte sie wieder, und so ging es fort, immer fielen zwei Räder weg, und er kam nicht von der Stelle.
Nun hörte er auf, zu fluchen, denn es nützte ihn doch nichts, und zudem empfand er ein Grauen. In aller Stille spannte er sein Pferd aus, liess den Wagen stehen, und ritt nach Hause. Am folgenden Morgen früh ritt er hin, und fand Fuhrwerk und Ladung in bester Ordnung in Mitte des Weges, vor der Brücke, aber die Deichsel Bergün zugekehrt. -
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.