Der Hexentanz im Ried-Loche
Eines Abends ging ein Doktor mit einem andern Manne von Davos-Laret nach Closters-Äuja. Auf dem Wege, im »Ried-Loche«, hörten sie Musik. Sie gingen hin, um zu sehen, was das sei, und erblickten bald eine Helle. Hinter einer Tanne verborgen, gewahrten sie nun einen Hexentanz.
Nachdem sie nun eine Weile zugesehen hatten, gingen sie vorwärts, nach der Äuja. Dort angelangt, lud der Mann den Doktor ein, in sein Haus zu kommen, und fragte ihn, was er am liebsten essen möchte, fügte auch hinzu, er habe gerade zeitige Kirschen. Der Doktor sprach, solche hätte er eben am liebsten, worauf der Mann auf den Baum stieg, und einen »Kratten« (Henkelkorb) voll ablas. Als der Mann den Kratten auf den Tisch stellte, und die Kirschen ausleerte, waren Alle zu »Chriesi-Stinker« (Baum-Wanzen) verwandelt, die sammthaft über den Tisch, über Mann und Doktor hinaufkrochen.
Beide flüchteten vor das Haus, und lasen dort mit großer Mühe das Ungeziefer ab. »Das hat nur die Nachbarin getan, die auch im Ried-Loche beim Tanzegewesen ist,« sagte der Mann.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.