Die Hexen in Pardenn
Vor vielen Jahren hörte man in der Alpe Pardenn (Closters) während der Nacht öfters die Kühe herumrennen. Am Morgen dann, wenn Dieselben zum Melken zusammengetrieben wurden, bemerkten die Hirten, dass besonders die zwei stärksten Kühe von weissem Schaume bedeckt, und zudem Eindrücke auf dem Rücken der Tiere zu sehen waren wie von einem aufgelegt gewesenen Sattel. Jedes Mal, wenn dieses geschah, gewahrte man in der Abenddämmerung einige Elstern auf der Holderstaude bei der untern Hütte hocken, welche merkwürdige Gebärden machten. - Das waren, wie es sich herausstellte, Hexen in Elsterngestalt, die den Kühen auf den Rücken sich setzten, und die ganze Nacht durch, Dieselben in der Alpe herumjagten.
Nun kam einmal ein armer Mann in diese Alpe, und Dem erzählten die Alpknechte den Vorfall. Der Mann gab den Hirten den Rat, sie sollen, wenn sie die Elstern wieder sehen, ihre Stöcke nehmen, dann hinab in den Weg eilen, welcher durch die Alpe führt. Beim Heraufkommen des Viehes zum Melken sollen sie Stück für Stück mit ihren Stöcken tüchtig auf den Rücken klopfen. Den Kühen tue das nicht wehe, wohl aber den Hexen, die, ihnen aber nicht sichtbar, den Tieren auf dem Rücken sässen. Die Hirten machten es so, und von da an hatten sie und ihre Herde Ruhe.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.