Weiber-List
Der Barthli Flütsch in St. Antönien wollte einmal am Morgen »recht frühe« auf seine Bergwiese, um zu heuen, und beorderte seine »Alte« (Frau), um vier Uhr ihn zu wecken, und bis dahin »z'Morget« (Morgenessen) für ihn parat zu halten. Nun war guter Rat teuer, denn schon lange Zeit wollte »'s Zit« (die Uhr) nicht mehr gehen, und doch wollte er am Morgen früh fort. Aber die gute »Alte«, die zwar nicht Schuld war, dass die Frösche keine Schwänze haben, war listiger, als Barthli (Bartholomäus) sie dafür hielt. »Gang nu (gehe nur), i weck' Di sicher,« schob sie ihn in den Schlafgaden (Schlafgemach).
Uschi (Ursula), die besorgte Alte, trüllte (drehte) Döchte (Dochte), rüstete Unschligg« (Unschlitt) zum Lichte, setzte sich auf die Ofenbank und trieb den Perpendikel der Uhr die ganze Nacht hindurch. Barthli wurde zur rechten Zeit geweckt, nahm es ihr aber arg übel, dass sie nicht auch »z'Morget« bereitet habe. »Wer hätti denn triiba sölla,« antwortete Uschi ganz richtig.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.