Das Grabengröll
Das Feld zu beiden Seiten der Landstrasse zwischen Sevelen und Räsis wird "der lange Graben" genannt. Auf mehr als eine halbe Wegstunde stand hier vor dreissig Jahren noch kein anderes Gebäude als eine alte Scheune, der Grabenstall. Diese Strassenstrecke wurde zur Nachtzeit nur in Notfällen benützt oder etwa von Leuten, die "keine Religion im Leibe hatten"; denn es war hier immer ungeheuer.
Durch die Luft - bald ferner, bald näher - ging ein Pfeifen und Brüllen, ein Heulen und Hundegebell, ein Zischen und Tosen; aus diesem Lärm waren deutlich Pferdegeröll und -Geschell vernehmbar, sowie auch Pferdegewieher. Die ganze Nachtmusik war so ohrbetäubend, dass einem Sehen und Hören verging. Was es war, wusste niemand, aber man nannte es das "Grabengröll". Beim Grabenstall nahm es seinen Anfang, und beim "Grüzimuosriet" hörte es auf.
Heinrich Hilty.
Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 131, S. 62
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.