Das Kuhrücken auf der Alp Altsäss
"Du, Hans", sagte eines Abends der Senn der Alp Altsäss zu seinem Handbuben," der Trappli het si kündt; dia Chüa henn gruggt, un dia Nacht schneit's; morn fahran mir vu Alp; richt dia Schleipf her." Und wirklich, es geschah, wie es der Senn vorausgesagt hatte. Während der Nacht war so viel Schnee gefallen, dass man von der Alp fahren musste und auf der "Schleipf" die Molken ins Tal gebracht werden konnten.
Das Kuhrücken kennt man bei uns auch auf andern Alpen. Da stürmt die ganze Herde in grosser Angst der Hütte zu. Dann gibt's Schneewetter. Auf der Alp Altsäss jagt der "Trappli" den Tieren diesen großen Schrecken ein. Dieser Geist zeigt sich aber den Menschen nie.
Ein junger Mann von Sevelen, der das Kuhrücken schon mehrmals beobachten konnte, aber von Geistern nichts mehr wissen will, behauptet, dass wie die Stubenfliegen schon einige Stunden vor Eintritt von Regenwetter in Ställen und Häusern Unterkunft suchen, so fliehe das Vieh auf den Alpen auch, bevor Schneefall und Unwetter sich einstelle, an geschütztere Orte. Die Tiere gewahren [bemerken] solches vor den Menschen.
Heinrich Hilty.
Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 140, S. 67
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.