Der erzürnte Riese
Bekanntlich war das Kalfeisental früher von freien Walsern bewohnt. Unter diesen hätte nach der Sage einst ein Riese von ungeheurer Kraft und Grösse gelebt. Da er sich mit seiner Schwester vergangen, wurde er vor den Landvogt auf das Schloss Sargans zitiert. Aus Ärger darüber habe er eine Tanne samt der Wurzel ausgerissen, die Äste mit der Hand abgeschlagen und den Baum als Spazierstock benutzt. Beim Eingang in das Schloss sei das eiserne Tor von ihm, als wäre es von Papier, aus den Angeln gehoben und einer der Kloben, in denen dasselbe hing, wie Wachs umgedreht worden. Und in der Tat schaut derselbe heute noch nach unten. Auf dem Rückwege habe der Riese in einen Mühlstein in Mels ein Hebeisen gestossen, den Stein auf den Rücken genommen und bis nach Gunis, fünf Minuten ob dem Dorfe Vättis, getragen. Der Stein liegt noch dort, und man muss sich wirklich wundern, warum er hierhergebracht worden.
"Oberländer Anzeiger."
Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 230, S. 114
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.