Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Klungerin

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Region: Zürich Oberland
Kategorie: Sage

Die Klungerin

Am Zürichsee, namentlich am linken Ufer, und im Oberland, geht ein altes, gespenstisches Weib um; es hat zwei Höcker, einen auf der Brust und einen auf dem Rücken und an den Händen lange, scharfe Nägel. Sie ist hauptsächlich den Kindern feind, denen man mit ihrem Erscheinen droht, wenn sie nicht einschlafen wollen. Aber auch Erwachsene quält und peinigt sie, indem sie ihnen des Nachts als böser Alp zusammengekauert auf die Brust hockt und mit ihren langen Nägeln die Hälse zuschnürt, so dass sie am anderen Morgen ganz elend anzusehen sind. Sie soll sich in einer schwer zugänglichen Höhle im Sihlsprung‚ im „Chrungelichaste“, aufhalten. Diese Unholdin gab Anlass zur Veranstaltung der „Chrungelinacht“ an einem Abend zu Ende des Jahres, da vermummte Leute in die Häuser eindrangen und mit den Spinnerinnen allerlei Schabernack trieben und den Kindern bange machten Ähnliche Gespenster, die umgingen, waren der „Böölimaa“, dem am Uetliberg eine Wohnung angewiesen ist, und der „Haaggemaa“, ein bösartiger Wassergeist, der in den Gewässern lauernd, seine Opfer mit einem langen Haken zu sich herab in die Tiefe zieht. Noch heute nennt man die dichten Schlingpflanzen am Seeufer „Haaggemanne“

Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee
Wörtlich aus Stauber, S. 46.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.