Der Geiger zu Fursch
Ein Zusenn hatte seine Geige, die er leidenschaftlich liebte und wunderschön spielte, mit nach Fursch genommen; dort setzte er sich gern auf den Stollen, um zu spielen. Als im Herbst das Vieh weggefahren war, musste der Zusenn allein zurückbleiben und aussennen. Da kam der Greller Jöri zu ihm mit der "Sufetuse" (Molken-Tanse), um das übliche Almosen zu holen. In der Nacht hörten sie auf dem Stollen draussen alle die wohlbekannten Weisen geigen, als ob der Zusenn selbst dort wäre. Eine grosse Furcht bemächtigte sich ihrer. Der unsichtbare Geiger hatte Schneefall verkündet. Am Morgen lag die ganze Alp eingeschneit.
J. B. Stoop
Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 304, S. 169
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.