Das Rotwasser
Das Rotwasser
Zu einer Zeit lebten im Oberholz zwei Brüder der Familie Oberholzer. Der jüngere hielt es mehr mit den Reformierten, der ältere blieb beim alten Glauben. Aber beide gingen immer noch nach Eschenbach zur Messe. Ihr Kirchweg führte sie über Hittenberg, an der Kapelle in Ober-Laupen vorbei und über Diemberg.
Eines Sonntags, als die beiden wieder nach Eschenbach unterwegs waren, sagte der jüngere zum älteren Bruder: „Du, heute gehe ich dahin zur Kirche, woher ich zuerst läuten höre!“ Das sprach er da, wo die Strasse nach Eschenbach diejenige von Diezikon nach Wald kreuzt. Und wie er es ausgesprochen hatte, begannen die Walder Glocken zu klingen. „Sei kein Narr!“ antworte der andere, „und fange nichts Neues an zu glauben!“ Aber der jüngere bog ab nach Wald, und der ältere wollte ihn zurückholen. Dem widersetzte sich der erstere, und sie bekamen Streit. Ja, sie traktieren einander so, dass das Bächlein, das dort vorbeifliesst, rot wurde vom vergossenen Blute. Seither heisst jene Gegend „im Rotwasser“, und der Name ging auch auf das Haus über, das dort an der Strasse steht.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland
Mitt. von H. Krebser, Laupen, ca. 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.