Der Geist, der im Landsacker die Seuche anzeigte
Der Geist, der im Landsacker die Seuche anzeigte
Es war im Vorwinter 1912. Eines Abends, um 10 Uhr, schaute ich, wie alle Abende vor dem Schlafengehen, nochmals nach dem Vieh. Als ich die Stalltüre hinter mir schloss und ins Haus hinübergehen wollte, sah ‚ich jemanden die Dorfstrasse heraufkommen. In der Dunkelheit konnte ich die Gestalt nur undeutlich erkennen; ich wusste nicht, war es ein Mann oder eine Frau, die da mit merkwürdig stolperndem, schleifendem Gang der Schalung entlangstrich. Bei der March, die das Ende meines Hausplatzes bezeichnet, blieb das unheimliche Wesen stehen und bewegte sich. Es klirrte und rasselte etwas, und die Dunkelheit schien mit einem Male noch zuzunehmen. Schnell trat ich in die Scheune, um die Laterne zu holen, aber als ich zurückkam, war die Erscheinung verschwunden.
Ein Jahr später, 1913, brach in unserem Dorf die Seuche aus. Sie ergriff jeden Stall, bis genau zu jener March wo das Gespenst innegehalten hatte.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland
Aus Jakob Zollingers „Herschmettlerchronik“.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.