Verirrt
Vor etwa 60 Jahren wollten drei Bauern von Krinau den Markt in Kaltbrunn besuchen. In der Morgenfrühe verliessen sie ihr heimatliches Dorf und gingen nach dem Alpli, Schwämmli und der Tweralp, um von da nach dem Ricken hinunterzusteigen. Ob eine Hexe ihnen das Irrkraut gelegt, oder ob der dichte Oktobernebel allein ihnen zuwider war, das lässt sich nicht entscheiden; Tatsache aber ist, dass die drei Männer den Weg verloren, dessen sie sonst durchaus kundig gewesen, dass sie den ganzen Tag liefen, ohne ein Ziel zu finden, und dass sie erst bei einbrechender Nacht an ein Haus kamen, wo ein Licht brannte. Sie klopften an und fragten, wo sie sich eigentlich befänden. Sieh da, sie waren im Dicken oberhalb Krinau.
Jakob Enz.
Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 446, S. 262
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.