Lebendig begraben
Man erzählte in Altdorf von einer Frau, die im ehemals Crivellischen Hause, jetzt Fürsprech Karl Huber, wohnte, dass sie in der Nacht nach ihrer Beerdigung, mit einer Laterne versehen, zu Hause anläutete und, als man sie mit Schrecken erkannt, erklärte: der Totengräber sei gekommen, habe ihren Sarg geöffnet, um einen kostbaren Ring von ihren Fingern zu nehmen. Da der Ring aber nicht leicht zu entfernen war, schnitt er ihr in den Finger, was sie auch weckte. Als sie sich aufrichtete, sei der Totengräber davon gesprungen und habe seine Laterne stehen lassen. Die Frau soll nachher in ihrem Leben nie mehr gelacht haben.
Schriftl. v. Fr. Oberst Epp-Schmid
Nach anderer Erzählart war die Dame aus dem Roll'schen oder auch aus dem Schillig'schen Hause, und begleitete sie der Totengräber nach Hause. Wird ähnlich auch in Unterschächen erzählt.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.