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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der starke Schmied im Tessin

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Die Italiener wollten wieder einmal – den Jahrgang weiss ich nicht – auf den Papst los. Der berichtete einfach seinen getreuen Urnern, Schwyzern und Unterwaldnern, die denn auch sofort aufbrachen und über den Gotthard zogen gegen Rom. In einem Dorfe des Kantons Tessin trafen sie einen Schmied, der weit und breit wegen seiner Riesenstärke bekannt und gefürchtet war. »Wohin gehts,« fragte er die Schar. »Nach Rom; dem Papst zu Hilfe; komm auch!« »Sofort,« antwortete der Schmied, schweizt schnell drei Steckeisen zusammen, schwingt diese Waffe auf die Achsel und folgt dem Zuge. In Rom bietet ihnen der Papst ein Mahl an. Aber die Biedern erklären, zuerst wollen sie's mit dem Feind ausmachen. Und sie griffen alsogleich die Italiener an. Als der Kampf begann, stieg der Papst auf das flache Dach des Domes, Brevier zu beten, und bevor er sein Stundengebet vollendet, waren die Schweizer auch schon mit dem Feinde fertig. Der Schmied hatte sie mit seiner Keule eigentlich zusammengemäht.

Pirmin Brücker

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.